Geschichtliche Zusammenfassung
über die Entstehung und Entwicklung des ersten "Bayerischen Landesfeuerwehrverbandes" und des heutigen "LFV Bayern e.V."
Das ungeordnete Nebeneinander der rasch
anwachsenden Zahl von Freiwilligen Feuerwehren in Bayern weckte das Bedürfnis nach
gegenseitigem Erfahrungsaustausch und der Gründung einer Verbandsstruktur. Ursprung der
Gründung des Bayerischen Landesfeuerwehrverbandes war im Dezember 1887 eine Versammlung
in Freising, auf der der Oberbayerische Feuerwehrverband ins Leben gerufen wurde. Die Versammlung beschloss, sich um eine Verbandsgründung auf Landesebene zu bemühen. Schon zu Ostern 1868, am 13. April, fand dann die Gründungsversammlung des Landesverbandes in Gunzenhausen statt.
Schon mehr als einhundertsechzigmal jährte sich
inzwischen der Tag, an dem Chr. Ludwig Jung, einer der Gründer des Bayerischen
Landesfeuerwehrverbandes, am 2. April 1835 geboren wurde. In einer kleinen Feierstunde an seinem Grabmal auf dem Münchner Waldfriedhof, gedachten 2006 und 1996 Vertreter des heutigen LFV Bayern und der Feuerwehr Münchens an Chr. Ludwig Jungs`s 100. und 90. Todestag dem 12. September 1906.
Ferner wurde am 31.10.1997 zu seinen Ehren in Feldafing vor seinem einstigen Domizil, Haus Hauptstraße 46, feierlich eine Bronzetafel enthüllt. Da der "Königliche Rat" Chr. Ludwig Jung nicht nur Mitbegründer des ersten bayerischen Landesfeuerwehrverbandes war, sondern auch Gründer der Freiwilligen Feuerwehr Feldafing und des Oberbayerischen Feuerwehrverbandes, waren neben den Vertretern aus allen Ebenen der heutigen Verbandsbereiche auch die örtliche Freiwillige Feuerwehr und kommunale Politiker anwesend.
An den 100. Todestag des ersten.
Landesvorsitzenden Ludwig Jung, erinnern die beigefügte Todesanzeige vom 12.
September 1906 sowie der unten stehende Schlußsatz des Nekrologes. Nachzulesen
in der damals erschienen Zeitung für
Feuerlöschwesen Nummer 19 Jahrgang 1906. "So lange es bayerische Feuerwehren gibt, wird das Andenken an diesen selbstlosen Mann fortleben und in der Geschichte des bayerischen Feuerlöschwesens wird sein Name stehts einen Ehrenplatz einnehmen."
In den ersten Jahren nach der Gründung des Bayerischen Landesfeuerwehrverbandes waren allgemeine Rundschreiben, Aufrufe in der "Zeitung für das Feuerlöschwesen", viele persönliche Schreiben sowie die Anwesenheit und eindringliche Ansprachen bei mannigfaltigen Veranstaltungen die Hauptaufgaben in der Anfangszeit, um den noch kleinen und jungen Landesverband durch die Gründung neuer Feuerwehren zu vergrößern.
Die Verbesserung und Vereinheitlichung der Schlauchverschraubungen war das erste anstehende technische Problem, das gelöst werden musste. Im Dezember 1879 wurde die Einführung einer bayerischen Landesfeuerwehrstelle als "Centralbüro für Feuerlösch- und Rettungswesen" und zwar in München, in der Sendlingerstraße Nr. 75 / II, einstimmig beschlossen und umgesetzt.
Prinz-Regent Luitpold genehmigte am 31. Dezember 1887 dem Bayerischen Landesfeuerwehrverband die Führung eines Siegels für dienstliche Zwecke. Es bestand aus einem Rautenschild mit Königskrone, Lorbeer- und Palmenzweigumkränzung und der Unterschrift: "Bayerischer Landes-Feuerwehr-Ausschuß"
Hinsichtlich einer zweckdienlichen und einheitlichen Uniformierung war der Bayerische Landesfeuerwehrverband bis zur Jahrhundertwende noch zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen. Erst anlässlich der 10. Landesfeuerwehrversammlung am 8. September 1905 in Passau wurden neue Entwürfe von Uniformierungs- und Ausrüstungsvorschriften beraten und auch beschlossen.Der Bayerische Landesfeuerwehrverband konnte im Jahre 1908 auf ein nun schon 40jähriges Bestehen zurückblicken. Viele der Gründer des Verbandes konnten diesen Tag jedoch nicht mehr erleben. Sie wären sicherlich sehr stolz auf den vom damaligen Landesfeuerwehrverbandsausschuss herausgegebenen statistischen Vergleich der ersten 40 Jahre gewesen.
"Während 1868 bei 7.317 politischen Gemeinden noch 97,18 % ohne Feuerwehr waren, sah es zu Beginn des Jahres 1908 nahezu umgedreht aus".
"Von 7.284 bestehenden politischen Gemeinden hatten nur noch 309 = 4,13 % keine Freiwillige Feuerwehr."
Man war sich auch damals schon bewusst, dass nicht allein ein schneller Einsatz zum Erfolg bei der Brandbekämpfung führte, sondern dass neben dem "Wollen" auch das "Können" für einen Einsatzerfolg ausschlaggebend war. Deshalb wurde eine gezielte Schulung der Feuerwehrführungskräfte eingeführt, die so genannten "Feuerwehrführerkurse". Der Ausbildungsplan sah eine Gliederung auf Landes-, Kreis- und Bezirksebene für die Jahre 1913 bis 1915 vor. Zu dem ersten Führerkurs, der an der Hauptfeuerwache in München stattfand, kamen 44 Teilnehmer. Lehrgangsleiter war der damalige zweite Vorsitzende des Bay. Landesfeuerwehrverbandes, Ph. L. Jung.
Der Ausbruch des 1. Weltkrieges am 1. August 1914 schränkte die Bemühungen um ein stetiges Vorantreiben des Feuerlöschwesens in Bayern erheblich ein.
Einen wesentlichen Punkt in der Geschichte und Entwicklung des Bayer. Landesfeuerwehrverbandes bildet zweifellos der Erwerb des Wohngebäudes am Pündterplatz Nr. 5 in München. Nun konnte man von den notdürftigen und feuergefährlichen Büroräumen am Unteranger 20 in München am 15. April 1916 nach Schwabing umziehen.
Im Jahr 1918 feierte der Bayer. Landesfeuerwehrverband sein 50jähriges Bestehen in Form von drei Veranstaltungen.
- Das Jubiläum für das Bestehen der "Zeitung für das Feuerlöschwesen"
- Das Jubiläum in der Gründungsstadt Gunzenhausen
- Das Jubiläum des Bayer. Landesfeuerwehrverbandes in München
In diesen fünfzig Jahren seit dem Bestehen des Bay. Landesfeuerwehrverbandes ging das Streben nach sachgemäßer Ausbildung stets mit der Sorge für die im Dienst erkrankten oder verunglückten Kameraden Hand in Hand. Hierzu entstanden folgende so genannte Wohlfahrtseinrichtungen:
- die Landesunterstützungskasse der Freiwilligen Feuerwehren in Bayern r. d. Rheins
- der Verein zur Errichtung eines Genesungs- und Invalidenheims für die Feuerwehren des Bayer. Landesfeuerwehrverbandes und des pfälz. Kreisfeuerwehrverbandes.
- die Sterbekasse des Bayerischen Landesfeuerwehrverbandes.
Nach Kriegsende kehrte nur langsam wieder die Normalität ein. Es galt vorrangig Aufgaben zu erledigen, die wegen der Kriegszeit zurückgestellt waren. Mit Vehemenz wehrte sich auch der Bayerische Landesfeuerwehrverband gegen die Schaffung eines Reichsamtes für das deutsche Feuerlösch- und Feuerschutzwesen. Einer der Hauptgründe war wohl die einhergehende Gleichschaltung von Berufs-, Fabrik- und Freiwilligen Feuerwehren. Man sah das Prinzip der Freiwilligkeit, das vor allem in Bayern vorherrschte, gefährdet und befürchtete einen großen Mannschaftsrückgang. Die föderalistische Gesinnung setzte sich durch und es wurde der Grundstein dafür gelegt, dass das Feuerwehrwesen Ländersache blieb.
In den zwanziger Jahren setzte sich die "Automobile Überlandhilfe" immer mehr durch und zwang die Ortsfeuerwehren zu entsprechenden Vorbereitungen für den gemeinsamen Einsatz mit der überörtlichen Hilfe. Dazu wurden vom Bayerischen Landesfeuerwehrverband Richtlinien erarbeitet, damit die sofortige Einbeziehung der nachbarlichen Hilfe gewährleistet war.
Der Bayer. Landesfeuerwehrverband beging den 14. Landesfeuerwehrtag in Lindau am Bodensee vom 8. - 11. Mai 1925. Dort wurde ein interessantes Referat zur Einführung der Feuerschutzabgabe gehalten. Die Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit der Feuerschutzabgabe wurde allgemein erkannt und für richtig befunden. Ferner wurde nach großen Anstrengungen die Gründung eines Erholungsheims für die bayerischen Feuerwehren beschlossen. Mit Unterstützung des Staatsministeriums des Innern und mit Hilfe der Bayer. Brandversicherungskammer gelang es, ein Grundstück in Bayerisch Gmain, die Kuranstalt Königshöhe "Schöne Aussicht", als Erholungsheim zu erwerben. Das Bayer. Feuerwehrerholungsheim wurde dann am 26. September 1925 feierlich eröffnet und zunächst vom Verein "Bayerisches Feuerwehrheim e.V.", der Nachfolgeorganisation des Genesungs- und Invalidenheims, geführt.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten kehrte auch bei den Feuerwehren ein neuer Ton ein. Der 16. Bayerische Feuerwehrtag vom 4. - 7. August 1933 in Würzburg ließ dies schon deutlich erkennen. Es erging folgende Anordnung:
"Beim Vorbeimarsch und Festzug haben sich alle Feuerwehrkameraden ausnahmslos zu beteiligen. Jeder Kamerad, der im Gasthaus oder auf den Zugstraßen als Zuschauer während dieser Zeit angetroffen wird, wird aufgefordert, sich seiner Abteilung anzuschließen. Weigert er sich, wird der Name festgestellt und zur disziplinarischen Bestrafung seiner Feuerwehr gemeldet."
Unter diesem Druck verschob z. B. auch der Mittelfränkische Feuerwehrverband seine Versammlung, weil zur selben Zeit der Parteitag der NSDAP stattfand.
Die Anordnungen wurden immer straffer, so wurde auch bei den Feuerwehren geschlossen marschiert und die Uniformröcke mussten stets geschlossen gehalten werden. Feuerwehrmänner wurden als opferbereite Bürger zwar sehr hoch angesiedelt, trotzdem durften Verantwortliche der Hitlerjugend oder von dem Deutschen Jungvolk von der allgemeinen Feuerwehrdienstpflicht befreit werden.
Das Vereinsprinzip blieb vorerst erhalten, aber die Führung wurde nicht mehr demokratisch gewählt sondern von Landräten oder Oberbürgermeistern ernannt. Sie hießen auch nicht mehr Kommandanten sondern Wehrführer. Feuerwehrübungen nannte man in Appelle um. Der Übungsbetrieb wurde militarisiert und die Appelle auf Sonntag zum Zeitpunkt des Gottesdienstes verlegt.Der 18. Landesfeuerwehrtag, der für die Zeit vom 6. - 9. Oktober 1939 in München geplant war, wurde nicht mehr durchgeführt und der Bayerische Landesfeuerwehrverband wurde durch den Erlass des Reichsfeuerlöschgesetzes im November 1938 praktisch aufgelöst.
Diese Veränderungen im Feuerwehrwesen wurden auch in der Ausgabe Nr. 24 der Zeitung für das Feuerlöschwesen vom 15. Dezember 1938 bekannt gegeben. In der Kopfzeile war zwar noch der Bayerische Landesfeuerwehrverband und der Pfälzische Kreisfeuerwehrverband genannt, der Artikel über die gesetzlichen Änderungen war jedoch bereits vom Reichsführer der SS und dem Chef der Deutschen Polizei Heinrich Himmler unterzeichnet.
Die Berufsfeuerwehren wurden zur "Feuerschutzpolizei" und die Freiwilligen Feuerwehren wurden "Polizeihilfstruppen". Als im zunehmenden Maße die Städte und kriegswichtigen Industrieanlagen durch Bombenangriffe der alliierten Streitkräfte zerstört wurden, wurde auf Erlass des Reichsführers der SS Heinrich Himmler Feuerwehrbereitschaften gegründet. Ihre Aufgabe war es Hilfe bei Großangriffen in der näheren und weiteren Umgebung zu leisten. Sie bestanden aus drei Löschzügen mit jeweils drei Gruppen und mancherorts mit einem vierten Zug, der aus zwei Gruppen bestand und mit Gasspür- und Entgiftungsaufgaben betraut wurde.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges legte die amerikanische Besatzungsmacht in Bayern zwar großen Wert darauf, dass das Feuerwehrwesen schnell wieder funktionsfähig gemacht wurde, verbot aber die Widergründung der Verbandsstruktur aus Angst vor eventuell entstehenden Widerstandszellen in den Feuerwehren.
Die Organisation der Feuerwehren in Bayern endete deshalb auf der Ebene der Stadt- und Kreisbrandinspektoren. Alle später entstandenen Feuerwehrorgane über dieser Ebene, das Sprechergremium und der Feuerwehrbeirat, hatten lediglich Beraterfunktionen.
Während der Feuerwehrbeirat bereits 1964 wegen Personal- und Themenüberschneidungen mit dem Sprechergremium ein formloses Ende fand, gingen Mitte der 80er Jahre vom Sprechergremium die ersten Impulse zur Widergründung des Landesfeuerwehrverbandes Bayern aus.
Viel Arbeit und Überzeugungskraft waren
notwendig, bis am 9. Oktober 1993 in Gunzenhausen, wo vor 125 Jahren auch der erste
Landesfeuerwehrverband Bayern gegründet wurde, der heutige Landesfeuerwehrverband Bayern
e.V. aus der Taufe gehoben werden konnte.
Die geschichtliche Zusammenfassung ist ein Auszug aus dem vom LFV Bayern herausgegebenen Buch: "Die Feuerwehren Bayerns 1886 - 1996"
